C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS)

C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS), oft als der „Große Komet von 2024“ bezeichnet, ist ein faszinierender Komet aus der Oort’schen Wolke, der Astronomen und Himmelsbeobachter weltweit in seinen Bann gezogen hat. Er wurde am 9. Januar 2023 vom Purple Mountain Observatory (Tsuchinshan) in China entdeckt und unabhängig davon am 22. Februar 2023 vom Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) in Südafrika bestätigt, weshalb er seinen Doppelnamen trägt. Dieser Komet erreicht im Oktober 2024 eine außergewöhnliche Helligkeit und war für kurze Zeit mit bloßem Auge sichtbar, was ihn zu einem der hellsten Kometen der letzten Jahrzehnte machte.
C/2023 A3 stammt aus der Oort’schen Wolke, einer hypothetischen, kugelförmigen Hülle aus Milliarden von eisigen Objekten, die unser Sonnensystem in einer Entfernung von bis zu einem Lichtjahr umgibt. Seine Umlaufbahn ist retrograd, das heißt, er bewegt sich entgegen der Richtung der meisten Planeten um die Sonne. Mit einem Perihel (nächster Sonnenpunkt) von 0,39 Astronomischen Einheiten (ca. 58 Millionen Kilometer) passierte er die Sonne am 27. September 2024. Sein nächster Punkt zur Erde war am 12. Oktober 2024, als er etwa 71 Millionen Kilometer entfernt war. Frühere Schätzungen deuteten auf eine Umlaufzeit von etwa 80.000 Jahren hin, doch neuere Daten legen nahe, dass er das Sonnensystem möglicherweise ganz verlassen könnte, da seine Bahn hyperbolisch erscheint.
Der Komet erreichte seinen Höhepunkt der Helligkeit am 9. Oktober 2024 mit einer Magnitude von etwa -4,9, heller als der Planet Venus und vergleichbar mit den hellsten Kometen der letzten 100 Jahre, wie Hale-Bopp (1997). Diese extreme Helligkeit macht ihn für einige Tage zu einem auffälligen Objekt am Abendhimmel der Nordhalbkugel, besonders zwischen dem 11. und 20. Oktober. Sein langer Staubschweif, der bis zu 21 Grad (ca. 42 Monddurchmesser) lang wurde, und ein schwächerer Ionschweif verliehen ihm ein spektakuläres Erscheinungsbild. Besonders interessant war die kurzzeitige Sichtbarkeit eines „Anti-Schweifs“ vom 13. bis 15. Oktober, ein Phänomen, das entsteht, wenn die Erde die Orbitalebene des Kometen kreuzt und größere Staubpartikel sichtbar werden, die der Sonnenwind nicht wegdrückt.
C/2023 A3 ist vermutlich ein „dynamisch neuer“ Komet, der erstmals aus der Oort’schen Wolke ins innere Sonnensystem gelangt. Solche Kometen sind oft reich an frischen, volatilen Materialien wie Wasser, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid, die beim Erwärmen durch die Sonne verdampfen und eine Koma sowie Schweife bilden. Spektroskopische Analysen, etwa mit dem Himalayan Chandra Telescope im Mai 2024, zeigten starke Signale von Cyan (CN), während Kohlenstoffverbindungen wie C2 und C3 schwach waren, was auf eine kohlenstoffarme Zusammensetzung hinweist. Die Wasserproduktionsrate lag bei etwa 450 kg pro Sekunde, ein Zeichen für die intensive Aktivität des Kometen nahe der Sonne.
Kometen sind notorisch unberechenbar, und C/2023 A3 bildete keine Ausnahme. Im Frühjahr 2024 gab es Spekulationen, dass er zerbrechen könnte, da seine Helligkeit stagnierte und die Staubproduktion nachließ. Doch er überstand sein Perihel und lieferte ein beeindruckendes Schauspiel. Sein Kern, geschätzt auf etwa 5 Kilometer Durchmesser, blieb intakt, obwohl die intensive Sonnenstrahlung kleinere Fragmente hätte ablösen können. Diese Widerstandsfähigkeit macht ihn zu einem wertvollen Studienobjekt für die Physik von Kometenkernen.
Für Hobbyastronomen ist C/2023 A3 ein Geschenk: Im Oktober 2024 kann man ihn im Westen nach Sonnenuntergang sehen, oft in der Nähe von Venus. Mit Ferngläsern oder Teleskopen waren seine Details noch beeindruckender. Das Foto zeigt den Kometen am 14.10.2024 Abend über Bad Lippspringe.